Getestet mit JTL-Wawi bis 1.11.*

JTL-Wawi auf einen neuen Server umziehen: SQL Server, Datenbank, Clients, Worker und Lizenz – die Checkliste

JTL-Wawi auf neuen Server umziehen: SQL Server, Datenbanken sichern und wiederherstellen, Logins, Clients, JTL-Worker und Lizenz – Schritt für Schritt.

Wichtig: Dieser Artikel enthält SQL-Befehle, die Daten in Ihrer JTL-Datenbank ändern. Legen Sie vorher eine vollständige Datensicherung an und testen Sie zuerst in einer Testumgebung. Die Anleitung beschreibt unser Vorgehen in einem konkreten Fall und ersetzt keine individuelle Prüfung Ihres Systems. Die Umsetzung erfolgt auf eigene Verantwortung – für Datenverlust, Ausfälle oder Folgeschäden übernehmen wir keine Haftung. Gern übernehmen wir die Umsetzung für Sie.

Ein neuer Server für die JTL-Wawi ist schnell gekauft – der Umzug selbst ist der heikle Teil. Die Datenbank muss vollständig und konsistent auf den neuen SQL Server, alle Arbeitsplätze müssen ihn finden, und die automatischen Abgleiche dürfen in der Übergangszeit nicht doppelt laufen. Diese Checkliste führt Sie durch die einzelnen Schritte und zeigt, wo die typischen Stolperstellen liegen.

Vorbereitung: Versionen, Downtime, Sicherung

Planen Sie den Umzug als festes Wartungsfenster, in dem niemand in der Wawi arbeitet. Klären Sie vorab:

  • Wawi-Version: Installieren Sie auf dem neuen Server und auf allen Arbeitsplätzen dieselbe JTL-Wawi-Version, mit der die Datenbank zuletzt gelaufen ist. Ein Umzug ist kein guter Zeitpunkt für ein gleichzeitiges Update.
  • SQL-Server-Version: JTL empfiehlt Microsoft SQL Server 2022 und unterstützt SQL Server nur unter Windows. Der neue SQL Server darf nicht älter sein als der alte: Sicherungen einer neueren Version lassen sich laut Microsoft nicht auf einer älteren Version wiederherstellen.
  • Bestandsaufnahme: Notieren Sie Servername, Instanzname, Port, die verwendeten SQL-Anmeldungen, alle Mandanten, die eingerichteten Abgleiche (Onlineshops, Marktplätze, Kassensysteme, API-Anbindungen) und auf welchem Rechner der JTL-Worker als Dienst läuft.
  • Lizenz: Halten Sie Ihren Lizenzschlüssel aus dem JTL-Kundencenter bereit.

Machen Sie unmittelbar vor dem Umzug eine frische, vollständige Sicherung aller Wawi-Datenbanken auf dem alten Server und bewahren Sie sie getrennt vom Server auf. Diese Sicherung ist zugleich Ihr Rückweg.

Schritt 1: Abgleiche stoppen und alten Server einfrieren

JTL weist darauf hin, dass vor dem Einspielen einer Datenbanksicherung alle Datenabgleiche deaktiviert sein müssen – Onlineshops, Marktplätze, Kassensysteme, Fulfillment-Netzwerk, API-Anbindungen und ausdrücklich auch die Abgleiche durch den JTL-Worker. Wird eine Sicherung in eine andere Betriebsumgebung eingespielt, soll die Konfiguration der Abgleiche vorher angepasst werden, sonst drohen Störungen der produktiven Umgebung.

Praktisch heißt das: Beenden Sie auf dem alten Server den Dienst JTL-Worker und stellen Sie ihn auf manuellen Start, damit er nach einem Neustart nicht wieder anläuft. Melden Sie alle Benutzer ab. Ab jetzt darf auf dem alten System nichts mehr erfasst werden – sonst fehlen diese Daten später auf dem neuen Server.

Arbeiten Sie nie abwechselnd mit altem und neuem Server. Zwei aktive Systeme mit derselben Datenbasis führen zu doppelten oder verlorenen Bestellungen und Bestandsabweichungen.

Schritt 2: SQL Server auf dem neuen Server einrichten

Installieren Sie SQL Server auf dem neuen Server. Für den Netzwerkbetrieb beschreibt der JTL-Guide zwei Punkte, die Sie direkt mit erledigen sollten:

  • Port: Im SQL Server-Konfigurations-Manager unter den Protokollen der Instanz (bei der JTL-Standardinstallation „JTLWAWI“) unter TCP/IP und dem Reiter IP-Adressen. Für einen festen Port tragen Sie bei „Dynamische TCP-Ports“ eine 0 und bei „TCP-Port“ die gewünschte Nummer ein.
  • Firewall: In der Windows Defender Firewall die SQL-Server-Programmdatei aus dem Ordner Binn der SQL-Server-Installation als zugelassene App eintragen. Andere Firewalls brauchen eine entsprechende Regel.

Starten Sie die JTL-Wawi auf dem neuen Server noch nicht mit einem neuen Profil. Beim ersten Start richtet die Wawi die benötigte Datenbank automatisch ein – Sie würden sich damit eine leere eazybusiness neben Ihrer echten Datenbank anlegen.

Schritt 3: Datenbanken sichern und wiederherstellen

Zu sichern sind laut JTL-Guide:

  • eazybusiness – die Hauptdatenbank mit den Daten zu allen Mandanten und dem ersten Mandanten,
  • je eine Datenbank pro weiterem Mandanten (im Guide z. B. Mandant_1).

Prüfen Sie in SQL Server Management Studio, welche Datenbanken auf dem alten Server tatsächlich existieren, und nehmen Sie alle Wawi-Datenbanken mit.

Weg A – über die JTL-Wawi: In der Datenbankverwaltung (Start > Datenbank) wählen Sie den Mandanten und unter Mandanten bearbeiten den Datenbankexport. Optional können Sie vor der Sicherung reorganisieren und Indizes neu erstellen lassen; JTL empfiehlt das, um Probleme beim Wiederherstellen zu vermeiden. Auf dem neuen Server spielen Sie die .bak-Datei über Datenbankimport wieder ein. Wichtig: Eine Sicherung der Hauptdatenbank lässt sich nur als Hauptdatenbank importieren.

Weg B – über SQL Server: Für Administratoren ist der direkte Weg per T-SQL oft übersichtlicher. Auf dem alten Server erstellen Sie je Datenbank eine Vollsicherung. Mit COPY_ONLY entsteht laut Microsoft eine Kopiesicherung, die eine bestehende Sicherungskette nicht beeinflusst; CHECKSUM lässt beim Sichern die Seitenprüfsummen kontrollieren:

BACKUP DATABASE eazybusiness
TO DISK = N'D:\Umzug\eazybusiness.bak'
WITH COPY_ONLY, CHECKSUM;

Kopieren Sie die Dateien auf den neuen Server. Dort lesen Sie zuerst die logischen Dateinamen aus der Sicherung und stellen die Datenbank anschließend mit MOVE in die Datenverzeichnisse des neuen Servers wieder her. Die Platzhalter ersetzen Sie durch die Namen aus FILELISTONLY und Ihre Zielpfade:

RESTORE FILELISTONLY
FROM DISK = N'D:\Umzug\eazybusiness.bak';

RESTORE DATABASE eazybusiness
FROM DISK = N'D:\Umzug\eazybusiness.bak'
WITH RECOVERY,
  MOVE '<logischer_Datenname>' TO 'E:\SQLData\eazybusiness.mdf',
  MOVE '<logischer_Protokollname>' TO 'F:\SQLLog\eazybusiness_log.ldf';

Wiederholen Sie das für jede Mandantendatenbank. Microsoft empfiehlt, vorab mit RESTORE VERIFYONLY und denselben MOVE-Angaben zu prüfen, ob Speicherplatz und Zielpfade passen.

Speichern Sie die Sicherungen nicht nur auf dem Server selbst. JTL rät grundsätzlich, Backups nicht auf demselben Laufwerk wie die Datenbank abzulegen – idealerweise auf einem anderen System.

Schritt 4: SQL-Anmeldungen und Rechte

Anmeldungen (Logins) liegen nicht in der Wawi-Datenbank, sondern in der master-Datenbank des SQL Servers. Sie werden also nicht mit umgezogen. Laut JTL-Guide braucht die Wawi eine SQL-Anmeldung mit SQL-Server-Authentifizierung, den Serverrollen bulkadmin, dbcreator, processadmin und public sowie in allen Wawi-Datenbanken (eazybusiness und Mandantendatenbanken) der Zuordnung db_owner und public mit Standardschema dbo. Benutzername und Passwort dürfen höchstens 29 Zeichen lang sein.

Legen Sie diese Anmeldung auf dem neuen Server an. Gab es die Datenbankbenutzer schon in der wiederhergestellten Datenbank, sind sie nach dem Restore häufig „verwaist“: Microsoft beschreibt, dass ein Datenbankbenutzer verwaist, wenn die Datenbank auf einer anderen Instanz wiederhergestellt wird, auf der die passende Anmeldung nie angelegt wurde – auch eine gleichnamige neue Anmeldung hat eine andere SID. Die Zuordnung stellen Sie laut Microsoft mit ALTER USER … WITH LOGIN in der jeweiligen Datenbank wieder her; das veraltete sp_change_users_login sollten Sie nicht mehr verwenden.

Schritt 5: Arbeitsplätze auf den neuen Server umstellen

Jeder Arbeitsplatz verbindet sich über ein Datenbankprofil. Öffnen Sie die Datenbankverwaltung und legen Sie über Neues Profil ein Profil für den neuen Server an. Im Feld Servername tragen Sie Computername bzw. Instanz und – falls festgelegt – den Port ein, danach Benutzer und Passwort der SQL-Anmeldung.

Die Profile speichert die Wawi lokal beim jeweiligen Windows-Benutzer, je nach Version in der Registry oder in einer Konfigurationsdatei im AppData-Verzeichnis; die Zugangsdaten sind dort verschlüsselt abgelegt. Daraus folgt: Das Umstellen ist pro Arbeitsplatz und pro Windows-Benutzer nötig. Auf Terminalservern betrifft das jedes Benutzerprofil einzeln.

Lassen Sie das alte Profil zunächst stehen und benennen Sie das neue eindeutig. So ist jederzeit klar, mit welchem Server ein Arbeitsplatz verbunden ist – und der Rückweg bleibt offen.

Schritt 6: JTL-Worker, Dienste und Pfade

Der JTL-Worker muss auf dem neuen Server neu als Windows-Dienst eingerichtet werden. Der JTL-Guide beschreibt dafür die Datei JTL-Worker Windows Dienst Installieren.bat im Installationsverzeichnis der Wawi: per Rechtsklick Als Administrator ausführen, mit dem Wawi-Benutzer für den Worker anmelden, anschließend Windows-Benutzer (Administrator, z. B. .\Benutzername) und Passwort eingeben und Installieren. Das Windows-Passwort wird erst beim Start des Dienstes geprüft. JTL empfiehlt einen eigenen Wawi-Benutzer für den Worker, damit der Dienst nicht ausfällt, wenn sich Ihr persönliches Passwort ändert. Prüfen Sie danach im Task-Manager unter Dienste, ob JTL-Worker läuft.

Gehen Sie außerdem alle Stellen durch, die fest auf den alten Server zeigen: Netzwerkfreigaben für Export- und Ablageordner, Pfade zu Dateien, die von Druck- und E-Mail-Vorlagen genutzt werden, geplante Aufgaben wie automatische Sicherungen per Skript sowie Zusatzprogramme mit eigener Datenbankverbindung.

Aktivieren Sie die Abgleiche erst, wenn der Test (Schritt 8) bestanden ist – und nur auf dem neuen Server.

Schritt 7: Lizenz prüfen

Seit JTL-Wawi 1.0 gibt es einen einzigen Lizenzschlüssel, der festlegt, welche kostenpflichtigen Module aktiv sind. Den Schlüssel finden Sie im JTL-Kundencenter unter Dashboard > Lizenzen > JTL-Wawi. In der Wawi prüfen Sie unter Hilfe/Lizenzen > Lizenzen, ob alle gebuchten Module angezeigt werden. Fehlt ein Modul, klicken Sie auf Aktualisieren; bei Bedarf tragen Sie den Schlüssel dort erneut ein.

Schritt 8: Test und Abnahme

Bevor der Betrieb wieder anläuft, prüfen Sie mindestens:

  • Anmeldung an jedem Arbeitsplatz, mit jedem Mandanten,
  • Stichproben: aktuelle Aufträge, Artikel, Bestände – stimmen sie mit dem letzten Stand des alten Servers überein?
  • Druck und Mailversand einer Rechnung oder eines Lieferscheins,
  • Lizenzanzeige,
  • Worker-Dienst läuft, danach Abgleiche einzeln aktivieren und den ersten Lauf beobachten,
  • eine erste Sicherung auf dem neuen Server – und ein Test-Restore auf einer Testinstanz, wie JTL es grundsätzlich empfiehlt.

Der Rückweg

Lassen Sie den alten Server bis zur Abnahme unverändert stehen, mit gestopptem Worker. Scheitert der Test, schalten Sie die Arbeitsplätze auf das alte Profil zurück und aktivieren Worker und Abgleiche wieder auf dem alten Server. Bedenken Sie: Alles, was in der Zwischenzeit auf dem neuen Server erfasst wurde, fehlt dann auf dem alten. Je kürzer und klarer das Wartungsfenster, desto weniger müssen Sie nachtragen.

Fehlerbilder auf einen Blick

Symptom Ursache Lösung
Arbeitsplatz findet den Server nicht Port oder Firewall auf dem neuen Server nicht freigegeben, falscher Servername im Profil Festen Port setzen, Firewall-Regel für SQL Server anlegen, Profil mit Server,Port prüfen
Wawi startet mit leerem Datenbestand Wawi wurde vor dem Restore gestartet und hat eine neue eazybusiness angelegt Sicherung über die leere Datenbank wiederherstellen, Profil prüfen
Anmeldung am SQL Server schlägt fehl Login existiert auf dem neuen Server nicht oder Datenbankbenutzer ist verwaist Login anlegen, Rechte laut JTL-Guide vergeben, Benutzer mit ALTER USER … WITH LOGIN zuordnen
Restore bricht mit Versionsfehler ab Neuer SQL Server ist älter als der alte SQL Server in gleicher oder neuerer Version installieren
Ein Mandant fehlt Mandantendatenbank nicht mitgesichert Mandantendatenbank vom alten Server sichern und wiederherstellen
Bestellungen doppelt oder Bestände springen Worker oder Abgleiche liefen auf beiden Servern Alten Worker stoppen, Abgleiche nur auf einem System aktiv lassen, Daten abgleichen
Worker-Dienst startet nicht Falsches Windows-Passwort oder fehlende Rechte des Dienstkontos Dienst-Anmeldedaten prüfen, Dienst neu einrichten
Gebuchte Module fehlen Lizenzstand nicht aktualisiert Unter Hilfe/Lizenzen auf Aktualisieren klicken, ggf. Schlüssel neu eintragen

Ein Serverumzug betrifft Datenbank, Netzwerk und laufende Abgleiche gleichzeitig. Wenn Sie den Umzug lieber gemeinsam planen oder durchführen möchten, unterstützt PC-Mixx als zertifizierter JTL-Servicepartner dabei.

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Häufige Fragen

Welche Datenbanken muss ich beim Serverumzug der JTL-Wawi mitnehmen?

Immer die Hauptdatenbank eazybusiness. Sie enthält Daten zu allen Mandanten und den ersten Mandanten. Für jeden weiteren Mandanten legt die Wawi eine eigene Datenbank an, die ebenfalls gesichert und wiederhergestellt werden muss.

Darf der neue SQL Server eine ältere Version haben als der alte?

Nein. Sicherungen einer neueren SQL-Server-Version lassen sich laut Microsoft nicht auf einer älteren Version wiederherstellen. JTL empfiehlt aktuell Microsoft SQL Server 2022.

Warum muss ich die Abgleiche vor dem Umzug deaktivieren?

Laufen alter und neuer Server gleichzeitig mit aktiven Abgleichen, greifen zwei Systeme auf dieselben Shops und Marktplätze zu. JTL weist ausdrücklich darauf hin, vor dem Einspielen einer Sicherung alle Abgleiche zu deaktivieren – auch die über den JTL-Worker.

Können die Arbeitsplätze ihr bisheriges Datenbankprofil weiterverwenden?

Das bisherige Profil zeigt auf den alten Server. Legen Sie auf jedem Arbeitsplatz in der Datenbankverwaltung ein neues Profil mit dem Servernamen des neuen Servers an und testen Sie die Anmeldung.

Wie komme ich zurück, wenn der Umzug scheitert?

Lassen Sie den alten Server bis zur Abnahme unverändert stehen. Scheitert der Test, schalten Sie die Arbeitsplätze wieder auf das alte Profil und aktivieren dort Worker und Abgleiche. Daten, die zwischenzeitlich auf dem neuen Server erfasst wurden, müssen Sie dann nachtragen.

Quellen

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